Vom Mac zum Windows-PC: die Kehrseite der Medaille

Jede Wahrheit hat zwei Seiten. Kürzlich schrieb ich, warum ich vom Mac zurück auf den PC gewechselt habe. Doch Microsoft und Samsung machen es Wechselwilligen wie mir unnötig schwer. Wie schwer, verrät dieser Beitrag.

Traurig, aber wahr: Nur die bereits abgelaufene Rückgabefrist für meinen Samsung-Rechner und der bemühte Kundensupport des Händlers haben mich letztendlich davon abgehalten, mein Windows-Ultrabook aus dem Hause Samsung zurückzuschicken und mir doch noch einen Mac zu kaufen. Doch so viel vorneweg: meine Hartnäckigkeit wurde belohnt, der Windows-Rechner ist nun wie gedacht nutzbar.

Vorsicht Windows!Verwöhnten Apple-Kunden bietet sich bei einem Windows-Notebook ein Bild des Grauens. Neben den bereits erwähnten Aufklebern auf dem Gerät sieht das Innenleben nicht viel anders aus: Auf dem System befindet sich jede Menge Crapware und zweifelhafte Samsung-Tools, die Systemeinstellungen verunstalten. Hinzu kommt eine unsinnige Partionierung, mit der die ohnehin nicht gerade großen SSD mit 128GB jeder Handlungsspielraum genommen wird.

Hinweis: Wer sich nicht für die technischen Einzelheiten interessiert, möge hier klicken, um gleich nach unten zu meinen „Lessons Learned“ zu springen.

Denkt bei Samsung jemand mit?

Wenn man sich beispielsweise die Partitionierung betrachtet, dann lautet die Antwort: Eher nein. Denn auf der SSD (als schneller Ersatz für eine Festplatte) befanden sich folgende Partitionen:

  • Eine Boot-Partition (rund 100MB klein)
  • Eine rund 24 GB große Windows-Wiederherstellungspartition (da kein optisches Laufwerk dabei ist).
  • Eine 8 GB große Ruhezustandspartition (dazu gleich mehr)
  • Die primäre Systempartition mit Windows (hier wird zusätzlich die eigentliche 8GB große Windows-Ruhezustandsdatei gepaart mit einer ebenfalls 8GB großen Windows-Auslagerungsdatei abgelegt.)

In der Summe fehlen auf der 128GB großen SSD ohne jede Not rund 48GB. Zieht man dann nochmal rund 40GB für Windows und Programme ab, stellt sich die Frage: Wo soll man da bitteschön noch arbeiten?

Der Gipfel: der Windows-eigene Ruhezustand ist nicht nutz- aber auch nicht deaktivierbar, da Samsung diese Funktion über seine mitgelieferten Werkzeuge standardmäßig verschlimmbessert.[1. Davon einmal ganz abgesehen ist ein Ruhezustandsmodus bei einem System, das in unter 10 Sekunden startet, recht unnötig.] Und die Wiederherstellungspartition könnte in Kombination mit einer Sicherung (inkl. Systemabbild) ebenfalls entfallen, wenn man einen Wiederherstellungsdatenträger erstellt.

Was folgte waren Umpartitionierversuche (was die grafische Datenträgerverwaltung von Windows nicht erlaubt), starten von Live-CDs, dafür USB-Einstellungen im BIOS des Rechners ändern, Knowledge-Base-Artikelrecherche, Foren-Suche und glücklicherweise ein Händler, der einen auch nach dem Kauf noch unterstützt und auf die richtige Fährte bringt.

Weg mit den Wiederherstellungs- und Ruhezustandspartitionen unter Windows

Kurz vor dem kompletten Plattmachen des Systems (wer weiß, was dabei hätte schief gehen können) stolperte ich gerade noch rechtzeitig über die Lösung zum Entfernen der überflüssigen Partitionen. Denn Windows-typisch lassen sich die unnützen Partitionen selbstverständlich nicht grafisch löschen, sondern nur via Kommadozeile.

„Fast“ ist bei den Samsung-Systemwerkzeugen im Sinne von „beinahe funktionierend“ zu verstehen, ganz bestimmt nicht im Sinne von „schnell“. Denn nach dem Abschalten sämtlicher Samsung-„Fast/Rapid Start/Boot“-Einstellungen ließ sich ohne jede Geschwindigkeitseinbußen auch der Windows-Ruhezustand deaktivieren, um die 8GB große hiberfile.sys loszuwerden – natürlich, wie könnte es anders sein, ausschließlich via Kommandozeile. Und die ebenfalls 8GB große Auslagerungsdatei pagefile.sys lässt sich über eine eindrucksvolle Kaskade von Konfigurationsdialogen gefolgt von einem Neustart minimieren. Geschafft, im wahrsten Sinne des Wortes …

Leicht wehmütiger Blick zurück zum Mac

Beim Mac heißt es „Einschalten und Loslegen“. Es müssen keine Testversionen von Antivirenprogrammen gelöscht, keine Datenträger umgebogen und keine nutzbaren E-Mail-Programme[2. Hier wurde ich übrigens beim eM Email Client fündig.] gesucht werden. Der Ruhezustand funktioniert sofort und ohne beherzten Griff in die Kommandozeile. Man überträgt nur seine Daten, Einstellungen und Programme, kann also sofort loslegen. Denn bei Apple haben sich Menschen über den gesamten Prozess Gedanken gemacht. Das kann im Einzelfall bedeuten, dass man nicht alle Freiheitsgrade bei der Konfiguration hat, doch dafür funktioniert die angebotene Lösung.

An der Windows-Front dagegen Crapware, ungünstige Partitionierung, BIOS-USB-Einstellungen, Wiederherstellungs-Datenträger – alles Probleme, die ich fälschlicherweise für allgemein gelöst hielt. Unter Windows und bei einem Hersteller namens Samsung sind sie das offenbar noch lange nicht.

Fazit

Die Zeit, die zum Geradebiegen des Windows-PCs benötigt wird, entspricht recht genau der Preisdifferenz zwischen Mac und Windows-Rechner. Unter der Voraussetzung, dass man eine Lösung findet also ein Nullsummenspiel, den damit verbundenen Ärger einmal ausgeklammert. Dass auch Microsoft nicht viel dazu gelernt hat, zeigt Windows 8, das noch dieselben Probleme aufweist, dafür aber eine frisch gekachelte Oberfläche erhalten hat. Nachdem Windows jetzt jährlich rauskommen wird, bin ich gespannt auf Windows 9, ansonsten wird als nächstes wieder ein Mac angeschafft.

Als Vermittler zwischen Mensch und Technik verfüge ich über jahrelange berufliche Erfahrung in der Technikkommunikation, im Produktmarketing sowie im technischen Consulting für Atlassian-Produkte. Mein Herz schlägt für kollaborative Werkzeuge und Schreibprozesse der nächsten Generation, für Sachtexte und deren Wirkung, aber auch für Sprache – insbesondere wenn's um das Vorlesen geht. Vorsicht, Lesegefahr!

Ein Gedanke zu „Vom Mac zum Windows-PC: die Kehrseite der Medaille

  1. Hugo Antworten

    Hallo Martin,

    in diesem Artikel scheint, aus meiner Sicht, DAS Hauptproblem nicht so richtig der Laptop von Samsung zu sein, sondern die Plattform Windows. Interessant, wäre ein Versuch mit Linux, welches in Summe auch recht schmal daherkommt und damit mehr nutzbaren SSD-Speicher bietet. Ich arbeite auch schon länger mit Macs, bin allerdings auch am Überlegen wieder zu wechseln. So kam ich auch auf Deine Artikel.
    Würde ich wechseln, dann aber definitv zu Linux, da noch immer keine Zufriedenheit in der Nutzung von Windows finde.
    Dennoch, vielen Dank für die Darstellung Deiner Erfahrungen.

    Viele Grüße
    Hugo

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